Interview mit Theodoros Orkopoulos, dem Präsidenten und Geschäftsführer der Foivos AG

Wie kam es dazu, dass Sie entscheiden, mit der Weinherstellung zu beschäftigen?
Ich war schon etwas älter. Da meine Sinne - mittlerweile frei von intensiven Lebensrhythmen und dem Wunsch, alles zu erreichen – nunmehr reinere Farben, Klänge, Düfte und Aromen sahen, hörten und wahrnahmen, entschloss ich mich dazu, mich mit dem angewandten Umweltschutz zu beschäftigen, auf die Schönheit der Natur aufmerksam zu machen und verschiedene seltene griechische Rebsorten durch biologisch mildere Anbauformen zu erhalten. Motiviert wurde ich außerdem durch den Wunsch, einen Wein mit heimischen griechischen Rebsorten unter angemessen Bedingungen nach geeignetem Verfahren herzustellen, um mit den Weinherstellern im Ausland konkurrieren zu können. Ein Motiv für die Fortsetzung meiner Bemühungen ist es, wenn jemand, der unseren Wein probiert, angenehm überrascht ist.

Mit welchen Schwierigkeiten hatten sie während dieser Zeit zu kämpfen und in welchen Momenten, fühlten Sie, dass man Ihnen Recht gegeben hatte?
Zu den größten Schwierigkeiten gehört es, wenn man sich bei seinen Bemühungen, den alten herkömmlichen Status zu ändern, etwas gegen schlechte Anbaumethoden sowie die herrschenden Erwartungen in bezug auf die Weinmenge zu tun, allein gelassen fühlt. Glücklicherweise ist es uns jedoch aufgrund der Akzeptanz in bezug auf neue milde biologische Anbauverfahren sowie dem Ziel der meisten unserer Winzer, besser Qualität als Quantität zu erreichen, gelungen, unsere Erwartungen zu erfüllen. Das wir damit richtig liegen, wird sich bereits in naher Zukunft durch die Tatsache zeigen, dass Kephallonia in der Form eines Pilot-Projekts zu einer wahren biologischen Oase wird. Als schwierig erweist sich außerdem die Erhaltung der seltenen griechischen Rebsorten, da vor allem die älteren Winzer allmählich ihre Kräfte verlieren und immer weniger werden. Oft nehmen sie ihre Geheimnisse und Sehnsüchte mit ins Jenseits und hinterlassen Erben, denen es in erster Linie darum geht, das Weingut in einen Grundstück mit Gebäudekomplexen umzuwandeln. Dass wir mit unseren Bemühungen richtig liegen, zeigt sich jedes Mal, wenn wir das Ergebnis der verschiedenen Rebsorten genießen und – wenn auch etwas verspätet – die bereits vorhandene Kraft, das Wohlsein und die Qualitäten des Weins genießen.

Was halten Sie von der Entwicklung des griechischen Weins in den letzten Jahren?
Eine Reihe von neuen Herstellern hat interessante Bemühungen angestrengt, die dem Markt bei entsprechendem Wachstum eine Vielzahl an hervorragenden Weinen bescheren wird.

Warum glauben Sie, ist der griechische Wein generell nicht so beliebt?
Das Verhältnis griechischer Weingüter zur Preisfestlegung macht den Wettbewerb aufgrund der überaus niedrigen Kosten des Weinbaus und der Herstellung in keinem Fall leichter. Eine Reihe unserer Kollegen mischt daher billige ausländische Produkte mit den eigenen Erzeugnisse, was dazu führt, dass der griechische Wein oft an Glaubwürdigkeit und Qualität verliert. Auf der anderen Seite versuchen die griechischen Winzer mit ihren Kollegen im Ausland durch die Herstellung fremder Weinsorten mit heimischen Rebsorten zu konkurrieren, was aus offensichtlichen Gründen nicht gelingt. Ich bin der Überzeugung, dass wir ein wunderbares Ergebnis hätten, wenn wir uns alle allein auf die kreative Verwendung unserer heimischen Sorten konzentrieren würden. Die Weine des Weinguts Foivos, bei denen es sich um seltene griechische Weinsorten handelt, die nur darauf warten, von Ihnen probiert zu werden, handelt es sich wahrhaftig um ein kleines Wunder. Sollten sich unsere Bemühungen als erfolgreich erweisen, so werden wir im Rahmen des Programms “Kivotos” auch in andere Regionen expandieren und dort aus heimischen Rebsorten Wein herzustellen.

Was sollten Kunden von der diesjährigen Ernte erwarten?
Wertvolle Weine und Weinherstellung.

Was sind Ihre persönlichen Visionen für Sie als Weinbauer?
Den Wein und andere Erzeugnisse griechischer Weingüter zum griechischen Nationalgetränk zu machen, Traditionen, Feste und die Lebensart in Zusammenhang mit dem Wein und anderen Getränken, die zur griechischen Küche passen, aufleben zu lassen.

Wie glauben Sie, dass sich der griechische Wein innerhalb der nächsten 10 Jahre entwickeln wird?
Ich glaube, dass eine Wiedervereinigung einer so großen Zahl an wertvollen, zivilisierten und kulturellen Winzern, Weinexperten und Weinherstellern in ihren jeweiligen Bereichen sich gegenüber der industriellen Weinherstellung durchsetzen wird und uns in Zukunft hervorragende Früchte und unvergessliche Weine bescheren wird.

Welche Weine gehören Ihrer Meinung nach zu den besten? Und welche Jahrgänge sind die besten?
Es ist schwierig zu sagen, welcher unserer Weine der beste ist, da jeder Wein seine eigenen Qualitäten hat. Was meinen persönlichen Geschmack angeht, so schlage ich beispielsweise unseren biologischen Tafelwein Asphodelos aus dem Jahr 2002, den ebenfalls biologischen Wein Moschato - Kefalonia Stalaktitis Jahrgang 2003 mit kontrollierter Herkunftszertifizierung sowie die Weine Miisi und den biologischen trockenen lokalen Weißwein Mantzavinata aus dem Jahre 2003 vor und verspreche Ihnen, dass die Leute noch lange von den Weinen reden werden.

Welche Weine sollten 2004 getrunken werden?
Meiner Ansicht nach die Gruppe der Miisi Weine, der ausgezeichnete Robola von Foivos und unser günstiger Tafelwein Paspartou.

Wie sehen Sie das Verhältnis der Gastronomie zum Wein und welche Dinge sollten sich Ihrer Meinung nach ändern?
Unglücklicherweise wird in der Gastronomie die Existenz der Mehrheit der griechischen Weine schlichtweg ignoriert. Was den Handel betrifft, so sind härteste moderne Marketing-Methoden erforderlich. Auf der anderen Seite haben sich die Konsumgewohnheiten unserer Landsleute aus finanziellen Gründen vor allem auf “den kleinen billigen Wein” konzentriert, der in netter Gesellschaft getrunken wird. Auf diese Art und Weise haben sie den Wein praktisch um seine Ehre gebracht, da dem Gast ein Glas Wein gebracht wird, von dem niemand weiß, wo und wie er hergestellt worden ist. Zusätzlich hat die unangemessene Preispolitik einer Vielzahl von Nobelrestaurants, die den Wein oft mit dem drei- oder vierfachen Preis berechnen, unsere Branche in eine noch größere Sackgasse geführt.


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